Jubiläum in Wittstock: 15 Jahre Stammtisch Niederdeutsch

Dieses Jubiläum musste gefeiert werden: Seit 15 Jahren steht der Stammtisch Niederdeutsch an der Kreisvolkshochschule Ostprignitz-Ruppin, Regionalstelle Wittstock, hoch im Kurs. Beim Tag der niederdeutschen Sprache am Sonntag, 20.September 2026, im Rathaus in Wittstock spielte dieses Jubiläum eine große Rolle.

kloendisch

Volkshochschule Ostprignitz-Ruppin: Der Stammtisch Niederdeutsch feierte 15-jähriges Jubiläum.

Das 45-minütige plattdeutsche Showprogramm unter dem Motto „Lach di gesund“ begeisterte das Publikum bei der Jubiläumsfeier. Dabei trat der Stammtisch Niederdeutsch als Klöndisch vor das Publikum. Doch zunächst hielt Neele Hübner, Niederdeutsch-Botschafterin des Landes Brandenburg, ein Grußwort jund sagte: „Ganz wichtig sind Menschen, die sich regelmäßig treffen, miteinander reden und die Sprache ganz selbstverständlich benutzen. 

Dorüm freu ik mi ok bannig, dat wi hüüt 15 Johr Stammdisch Plattdüütsch an de Kreisvolkshochschool OPR, Regionalstell Wittstock, fieren könnt. 15 Johr Klönen, Vertellen, Lachen un Platt schnacken – dat is lebennige Spraakpleeg.“Und: „Mein herzlicher Dank gilt allen, die diesen Stammtisch über so viele Jahre getragen und mit Leben gefüllt haben. Und Heidi Schäfer die diesen Stammtisch leitet. Natürlich wünsche ich mir, dass auch in Zukunft viele Menschen dazukommen – junge und ältere, Plattsprecher und solche, die es erst noch werden möchten“, sagte Neele Hübner.

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Für Anke Unkenholt, Leiterin der Kreisvolkshochschule Ostprignitz-Ruppin, steht fest: „Der Schutz des kulturellen Erbes wird an der Volkshochschule gelebt, denn Volkshochschulen bieten eine ideale Plattform für die Weitergabe der kulturellen Identität.“ Und: „Der Fokus liegt nicht nur bei den großen Fremdsprachen, sondern auch bei den Regional- und Minderheitensprachen.“ Dazu gehört auch die Regionalsprache Niederdeutsch.“

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Die Laudatio zum 15-jährigen Jubiläum des Stammtisches Niederdeutsch hielt Christamaria Ruch, Geschäftsführerin im Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg. Sie sagte: „Ankerpunkt und zuverlässige Größen sind seit seinem ersten Treffen am 17. Mai 2011 der Name Stammtisch Niederdeutsch, der Treffpunkt am Dienstag um 18 Uhr in der KVHS-Regionalstelle Wittstock und die Leiterin Heidi Schäfer.“ Aus einer Handvoll von Plattsprechern etablierte sich in 15 Jahren eine Gruppe von 20 Akteuren. Sie kommen aus unterschiedlichen Sprachräumen in Brandenburg, Mecklenburg und Schleswig-Holstein. Da mischen sich am Stammtisch die Dialekte. „Der Stammtisch Niederdeutsch bietet nicht Unterricht im klassischen Sinn an. Denn Heidi Schäfer ist keine Lehrkraft, sie ist viel mehr: Sie engagiert sich unermüdlich für die Sprachkultur und ist in der Sprachenpolitik bis in den Bunnnsrat för Nedderdüütsch aktiv“, sagte Christamaria Ruch. Heidi Schäfer findet im Alltag Denkanstöße für neue Vorhaben. Diese münzt sie immer wieder in neue Aufgaben für den Stammtisch um. Die Ergebnisse wirken nachhaltig in der Öffentlichkeit, auch über die Landesgrenzen von Brandenburg hinweg.

Dazu zählen von 2015 bis 2017 das Wittstocker Projekt „Platt in der Pflege“, seit 2018 wöchentliche Beiträge in der Lokalzeitung. Bei der Landesgartenschau 2019 in Wittstock waren die Plattsprecher regelmäßig präsent. Bei der Herausgabe der ersten Plattfibel in Brandenburg im Jahre 2020 wirkten Akteure des Stammtisches Niederdeutsch mit. Der Hör-Stadtplan in Wittstock entstand 2023 als Audio-Guide nach dem Vorbild des Hör-Stadtplans in Prenzlau. Auch bei den zweisprachigen Busansagen für die Ostprignitz-Ruppiner Nahverkehrsgesellschaft geben Plattsprecher des Stammtisches buchstäblich den Ton an.

Einige Akteure der ersten Stunde des Stammtisches sind inzwischen gestorben. Mit der Pädagogin Heidi Morling teilte sich Heidi Schäfer viele Jahre die Leitung; 2024 verstarb Heidi Morling. Texte aus eigener Feder der 2021 verstorbenen Ruth Schurbaum erscheinen auch heute noch in den lokalen Printmedien. Und neben Heidi Morling lebt auch der 2025 verstorbene Ulrich Gäde mit seiner Stimme beim Wörterbuch „Platt in der Pflege“ weiter.

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... und Männern des Klöndisch.

Seit genau zwei Jahren ist ein neues Kapitel aufgeschlagen. Jetzt grassiert das Spielfieber am Stammtisch und gibt den Takt und Rhythmus vor. Die Plattsprecher treten als Klöndisch in das Rampenlicht. Dabei versteht sich der Klöndisch auch hier als Botschafter der plattdeutschen Sprache. „Wir haben gemerkt, dass wir Niederdeutsch am besten lernen, wenn wir Alltagssituationen spielen“, sagt Heidi Schäfer. Denn Sprechen gibt Sicherheit. Singen, sprechen, nebenbei Grammatik lernen und erzählen – das sind die Zutaten für gut vorbereitete Auftritte. Die Freude, der Ehrgeiz und die Begeisterung für Plattdüütsch sind der Motor, damit die Akteure des Klöndisch ihr Lampenfieber immer aufs Neue abschütteln.

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Die Akteure am Stammtisch Niederdeutsch spielen nicht nur, sie leben diese Sprache in vollen Zügen aus. Mit Bedacht setzen sie beim Auftritt ihre Pointen, denn es geht nicht um das Lachen nach Beliebigkeit. Plattdeutsch darf nicht mit Folklore verwechselt werden. Das Spiel hat vielmehr ein ernstes Anliegen: Die Regionalsprache Niederdeutsch soll erhalten und sichtbar gemacht werden.

 

Text und Bilder: Christamaria Ruch

gefördert mit
land brandenburg mwfk

VERANSTALTUNGEN
So., 27. Sep.., 17:00 Uhr
Filmschau "Von Icke bis Platt" in Kossenblatt
 
Do., 1. Okt.., 14:00 Uhr
Plattsnacker aus Legde besuchen das Pfarrhausmuseum in Blüthen
 
Di., 6. Okt.., 14:00 Uhr
Plattrunde in Bälow
 
Di., 6. Okt.., 18:00 Uhr
VHS Stammtisch Plattdeutsch Wittstock
 
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